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Warum Babys beim Abhalten weinen?

In meinem letzten Beitrag habe ich darüber geschrieben, dass Ausscheidung kein Zufall ist – sondern ein Regulationsprozess des Nervensystems.


Daraufhin kam eine Frage besonders häufig:


Warum weinen Babys manchmal beim Abhalten?


Viele Eltern erleben diesen Moment: Sie nehmen ihr Baby wahr, halten es über das Waschbecken oder Töpfchen – und plötzlich beginnt es zu weinen.

Das kann verunsichern.


War es zu früh?

Zu spät?

Oder vielleicht doch nicht das Richtige?


Dabei lohnt es sich, einen Schritt zurückzugehen und das Nervensystem zu betrachten.

Weinen ist Regulation.


Damit ein Baby ausscheiden kann, muss sich sein Nervensystem entspannen. Erst wenn der Körper in einen Zustand von Loslassen kommt, können sich auch Blase und Darm entleeren.

Und genau dabei kann Weinen helfen.


Babys weinen häufig, um Spannung im Körper abzubauen und ihr Nervensystem zu regulieren. Das Weinen kann also Teil des Prozesses sein, der überhaupt erst ermöglicht, dass sie sich lösen können.


In diesem Sinn ist Weinen beim Abhalten nicht unbedingt ein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Manchmal ist es genau der Weg, über den der Körper in die nötige Entspannung findet.


Das eigentliche Problem entsteht oft an einer anderen Stelle.

Wir Erwachsenen bewerten das Weinen.

Sofort tauchen Gedanken auf:

Vielleicht hat mein Baby Schmerzen.

Vielleicht ist es unbequem.

Vielleicht hat es kalt.

Vielleicht mache ich etwas falsch.


Diese Bewertungen entstehen in unserem Kopf – nicht im Baby.

Um etwas zu bewerten, braucht es kognitive Entwicklung, Erfahrung und Wissen. All das haben Babys noch nicht. Für sie ist ein Gefühl zunächst einfach ein Zustand im Körper.

Das Weinen ist dann ein Ausdruck von Regulation – nicht von Bewertung.


Wenn wir beginnen, das Weinen sofort als Problem zu interpretieren, geraten häufig auch wir selbst unter Stress. Unser eigenes Nervensystem aktiviert sich.

Und genau das kann die gemeinsame Regulation erschweren.


Deshalb ist beim Abhalten – wie in vielen anderen Situationen mit Babys – etwas besonders wichtig: unsere eigene innere Sicherheit.


Wenn wir ruhig bleiben, atmen, unser Baby halten und ihm signalisieren: „Alles ist in Ordnung, ich begleite dich“, kann unser Nervensystem dem Baby helfen, sich zu regulieren.

Das ist Co-Regulation.


Das Baby signalisiert.

Wir bleiben präsent.

Und gemeinsam findet der Körper in die Entspannung, die er braucht.

Diese Erfahrungen sind auch für die nächsten Entwicklungsschritte bedeutsam.


Kinder, die beim Ausscheiden begleitet werden und ihre Signale ernst genommen erleben, behalten häufig ein gutes Körpergefühl für diese Prozesse. Das kann später auch den Weg zum Trockenwerden erleichtern – ohne Druck und ohne Trainingsprogramme.


Am 23. April gebe ich dazu wieder einen Kurs:

„Der leichte Weg zum Trockenwerden“ - Dieser Kurs richtet sich an Eltern mit Kindern zwischen 6 Monaten und 5 Jahren.

 
 
 

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