Warum Babys weinen - und warum das oft schwer auszuhalten ist
- Isabelle

- 29. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Kaum etwas bringt Eltern so schnell an ihre Grenzen wie das Weinen ihres Babys.
Vielleicht kennst du diese Gedanken:
Was fehlt meinem Baby?
Mache ich etwas falsch?
Warum kann ich es nicht beruhigen?
Und manchmal mischt sich noch etwas anderes dazu – ein leiser oder lauter innerer Druck:„Es muss doch aufhören.“
Wenn dein Baby weint und du dich dabei hilflos, angespannt oder überfordert fühlst, dann bist du damit nicht allein. Und: Das bedeutet nicht, dass du etwas falsch machst.
Vielleicht liegt hier weniger ein Problem – sondern ein Missverständnis.
Weinen ist keine Fehlfunktion
Babys weinen nicht, um uns zu manipulieren.
Nicht, weil sie „verwöhnt“ sind.
Nicht, weil sie schwierig sind.
Weinen ist eine ihrer wichtigsten Ausdrucksformen.
Ein Baby kann noch nicht:
erklären, was es erlebt
Gefühle einordnen
sich selbst beruhigen
Was ihm zur Verfügung steht, ist sein Körper. Und dieser spricht über Spannung, Bewegung, Laute – und Weinen.
Weinen ist Kommunikation.
Keine Störung.
Keine Schwäche.
Babys kommen kompetent zur Welt
Menschenbabys sind aus biologischer Sicht Frühgeburten. Ihr Nervensystem ist bei der Geburt noch nicht fertig entwickelt.
Das bedeutet:
Gefühle können noch nicht selbst reguliert werden
Reize können nicht sortiert werden
Stress kann nicht alleine abgebaut werden
Babys brauchen ein Gegenüber. Nicht, um „ruhig gemacht“ zu werden –sondern um sich mitteilen zu dürfen. Denn Babys sind ab Geburt soziale Wesen.
Deine Nähe hilft ihrem Nervensystem, sich zu organisieren.
Nicht Perfektion.
Präsenz.
Warum Weinen oft dann kommt, wenn „eigentlich alles gut war“
Viele Eltern erzählen mir: „Tagsüber war alles okay – und abends kommt plötzlich dieses große Weinen.“
Das ist kein Zufall.
Solange viel passiert, funktionieren viele Babys erstaunlich gut. Erst wenn Ruhe einkehrt, wenn Sicherheit da ist, darf sich zeigen, was sich im Laufe des Tages angesammelt hat.
Dann ist es ein Zeichen von Vertrauen und Regulation. Denn das Nervensystem kommt abends zur Ruhe, dann muss es ins Gleichgewicht finden, indem es Erfahrungen verarbeitet und reguliert.
Dein Baby zeigt dir: Hier darf ich loslassen.
Warum uns das Weinen unseres Babys so tief berührt
Das Weinen eines Babys geht direkt unter die Haut. Es aktiviert oft:
Hilflosigkeit
alte Erfahrungen
den starken Wunsch, sofort etwas zu tun
Viele von uns haben selbst gelernt:
Gefühle müssen schnell weg
Tränen sind zu viel
Stark sein ist besser
Wenn unser Baby weint, geraten diese alten Muster in Bewegung. Manchmal ist es nicht das Baby, das zuerst Unterstützung braucht –sondern unser eigenes Nervensystem.
Auch das ist menschlich.
Co-Regulation statt Kontrolle
Babys brauchen keine perfekten Eltern. Sie brauchen Anwesende.
Co-Regulation bedeutet:
da bleiben
halten
sprechen
gemeinsam atmen
Sicherheit vermitteln
Nicht jedes Weinen kann oder muss sofort „gelöst“ werden.
Manches möchte einfach gefühlt werden – nicht weggemacht.
Nähe ist oft schon Antwort genug.
Ein erster, sanfter Perspektivwechsel
Vielleicht darfst du dir erlauben:
nicht alles sofort zu verstehen
nicht alles beenden zu müssen
nicht immer eine Lösung parat zu haben
Manchmal ist Dasein bereits genug.
In den nächsten Beiträgen werde ich genauer darauf eingehen:
warum Babys aus biologischer Sicht weinen
wie Regulation, Stress und frühe Prägungen zusammenhängen
wann Unterstützung hilfreich ist – und wie sie aussehen kann
Denn wenn Eltern verstehen, warum ihr Baby weint, verändert sich oft nicht das Baby –sondern das innere Erleben der Eltern.
Und genau dort beginnt Entlastung.
Am 15. Januar gebe ich einen Online-Kurs zum Thema „Warum Babys weinen – eine biologische Sicht und unsere eigenen Prägungen“.
Wenn du tiefer verstehen möchtest, was hinter dem Weinen deines Babys steckt –und wie du dich dabei selbst sicherer fühlen kannst, findest du bald mehr Informationen hier.





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