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Warum Verstehen beim Weinen mehr verändert als jede Methode

Aktualisiert: 20. Jan.


Im letzten Beitrag ging es darum, was das Weinen deines Babys in dir auslöst. Darum, dass viele Eltern das Weinen nicht deshalb schwer aushalten, weil sie ihr Baby nicht lieben –sondern weil ihr eigenes Nervensystem unter Druck gerät.

Heute möchte ich diesen Gedanken vertiefen.

Denn Verstehen allein reicht oft nicht. Entscheidend ist, was wir im Weinen erleben – körperlich und innerlich. Genau darum ging es im Kurs "Warum Babys weinen". Wir durften eine Reise unternehmen zu unseren tiefen Gefühlen und unserer Prägung.


Weinen berührt nicht nur das Ohr – sondern den ganzen Körper

Im kleinen Raum beschrieben Eltern ihre Empfindungen beim Weinen ihres Babys sehr ähnlich:

  • Druck auf der Brust

  • Enge im Hals

  • Unruhe im Bauch

  • das Gefühl, sofort handeln zu müssen


Auch ich kenne diesen Druck. Ein starkes Zusammenziehen in der Brust, jedes Mal, wenn mein Baby weinte.

Dieser Druck wurde leichter, wenn ich verstand, was mein Baby brauchte. Wenn es Hunger hatte. Nähe suchte. Müde war.

Doch es gab Momente, in denen mein Baby einfach entlud. Und obwohl ich wusste, dass nichts „zu lösen“ war, blieb der Druck.


Verstehen entlastet – aber es ersetzt nicht Selbstfürsorge


An diesem Punkt durfte ich etwas Wichtiges lernen: Auch wenn mein Baby gerade „nur“ entlädt, braucht mein Nervensystem ebenfalls Unterstützung.


Ich durfte mein Baby abgeben.

Manchmal an den Papa.

Manchmal an eine Nachbarin.

Und ich durfte lernen:

Menschen helfen oft sehr gern – wir müssen nur wieder fragen.


Ein kurzer Spaziergang.

Ein paar tiefe Atemzüge.

Ein Moment ausserhalb der Situation.

Diese kleinen Unterbrechungen halfen mir, den inneren Druck zu lösen.


Wenn Eltern wieder Boden unter den Füssen spüren

Eine Mama meinte aber, sie habe niemanden, der ihr Baby kurz übernehmen kann. Also verabredeten wir, dass sie ihr Baby ins Tragetuch nimmt – auch mitten in der Nacht – nach draussen geht.

Die Bewegung, die frische Luft, das Gefühl von Boden unter den Füssen brachten sie zurück in ihre Ruhe.

Und genau das spürte auch ihr Kind.


Nicht, weil etwas „richtig gemacht“ wurde.

Sondern weil sich ihr Nervensystem regulieren durfte.


Weinen verstehen heisst auch: sich selbst verstehen

Beim Weinen deines Babys geht es nicht nur darum, was dein Baby braucht.

Sondern auch darum zu erkennen:

  • Was passiert gerade in mir?

  • Was brauche ich, um ruhig zu bleiben?

  • Was hilft mir, diesen Moment zu tragen?

Diese innere Klarheit verändert Begleitung grundlegend.

Nicht durch Technik.

Nicht durch Methoden.

Sondern durch Bewusstheit.


Heute möchte ich einen Schritt weitergehen.

Denn wenn wir beim Weinen nur bei uns stehen bleiben, fehlt noch etwas Entscheidendes:

das Verstehen der biologischen Zusammenhänge.


Weinen ist kein Zeichen von Mangel – sondern von Aktivität

Babys weinen nicht, weil etwas „nicht stimmt“. Sie weinen, weil ihr Nervensystem arbeitet.

Weinen ist:

  • ein Spannungsabbau

  • ein Ordnungsprozess

  • ein Weg, innere Zustände zu regulieren

  • Ein Signal, wenn ein Bedürfnis gestillt werden darf

Das kindliche System ist von Geburt an darauf ausgelegt, sich zu entladen.

Nicht still zu funktionieren.


Warum Eingreifen oft so logisch wirkt – und trotzdem stört

Viele Eltern greifen schnell ein, wenn ihr Baby weint.

Nicht aus Ungeduld.

Sondern aus Fürsorge.

Doch Reden, Wiegen, Ablenken oder Beruhigen bringen oft neue Reize ins System.

Ein System, das eigentlich gerade weniger braucht.


Manche Babys werden dann ruhiger.

Andere weinen stärker.

Wieder andere ziehen sich innerlich zurück.

Nicht, weil etwas falsch gemacht wurde –sondern weil das Nervensystem überfordert ist.


Verstehen verändert die innere Haltung

Wenn Eltern beginnen zu verstehen, warum Babys weinen, verändert sich etwas Grundlegendes:

  • Der Druck, „richtig reagieren“ zu müssen, lässt nach

  • Die Angst, etwas falsch zu machen, wird kleiner

  • Präsenz wird wichtiger als Aktion

Verstehen bringt Ruhe.

Nicht Kontrolle.

Und genau diese Ruhe ist es, die Babys langfristig Sicherheit gibt.


Weinen braucht keinen Plan – sondern Raum

Es gibt kein Schema, das auf jedes Weinen passt.

Aber es gibt etwas, das immer trägt:

  • Wahrnehmen

  • Dasein

  • Regulierte Begleitung

Manchmal bedeutet das, etwas anzubieten.

Manchmal bedeutet es, nichts zu tun – ausser innerlich da zu bleiben.


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