Wenn Wut keine Störung ist, sondern eine Sprache

In letzter Zeit erlebe ich in der Beratung immer wieder dasselbe Bild.
Eltern, die erschöpft sind.
Kinder, die bei jeder Kleinigkeit explodieren.
Und die immer gleiche Frage im Raum: „Was mache ich falsch?“
Nichts. Meistens machen diese Eltern nichts falsch. Ihr Kind ist einfach mitten in einer Phase, die wir oft missverstehen: der Autonomiephase - oder wie ich es nenne: Die Entwicklung der starken Gefühle.
Ich habe in meinem letzten Blogbeitrag geschrieben, dass Beziehung nicht erst beginnt, wenn Erziehung schwierig wird. Dass sie schon viel früher anfängt – beim Wahrnehmen der ersten Babysignale, beim Abhalten, bei den kleinen Momenten, in denen wir lernen, unser Kind zu lesen.
Genau diese Beziehung wird jetzt auf die Probe gestellt. Denn irgendwann hört ein Kind auf, nur mit seinem Körper zu sprechen. Es beginnt, „Nein“ zu sagen. Es wehrt sich. Es testet.
Und viele Eltern erschrecken davor.
Warum gerade jetzt so viele Kinder überfordert sind
Ich sehe es fast täglich in meiner Beratung: Kinder, deren Nervensystem keine Ruhe mehr findet.
Unser Alltag ist hektisch geworden. Unsere Ernährung ist nicht mehr so nahrhaft wie früher. Und unsere Art, mit Kindern zu sprechen, hat sich verändert – wir fragen viel, wir erklären viel, wir verhandeln viel.
Das klingt liebevoll. Ist es auch. Aber für ein Kind ist jede Frage eine Entscheidung. Und eine Entscheidung zu treffen, erfordert eine kognitive Fähigkeit, die in diesem Alter schlicht noch nicht da ist.
Das Resultat sehe ich immer wieder: Überforderung. Und Überforderung zeigt sich nach aussen oft als Wut.
Was ein Kind in diesen Momenten wirklich braucht
Hier kommen wir zu dem Punkt, der mich in der Beratung am meisten beschäftigt.
Wenn dein Kind etwas anderes will als du, ist es wichtig, dass du in Führung gehst. Nicht, weil dein Kind falsch liegt. Sondern weil Führung ihm Sicherheit gibt.
Dabei darf dein Kind frustriert sein. Es muss nicht gut finden, was du entschieden hast. Es darf weinen. Es darf wütend sein.
Du bist einfach da. Ruhig. Ohne zu diskutieren.
Das ist keine kalte Distanz – im Gegenteil. Aufmerksamkeit verstärkt ein Verhalten. Deshalb reden wir nicht viel in diesem Moment. Aber wir gehen auch nicht weg. Wir bleiben präsent, mit unserer ruhigen Art, und vermitteln so: Ich bin da. Du bist sicher.
Wenn sich dein Kind reguliert hat, kann es dir wieder folgen. Steigert es sich zu sehr rein, verstärkst du einfach deine Präsenz, um ihm bei der Regulation zu helfen.
Das ist Führung.
Der rote Faden bleibt
Genau wie beim Abhalten, bei der Babymassage, bei den ersten „Neins“ – auch hier geht es nicht um Perfektion. Es geht um Beziehung.
Um Hinschauen. Wahrnehmen. Und angemessen antworten.
Vielleicht ist es das, was ich Eltern in der Autonomiephase am meisten wünsche: dass sie nicht das Gefühl haben, ihr Kind „in den Griff bekommen“ zu müssen. Sondern dass sie verstehen, was gerade biologisch passiert – und daraus die Ruhe schöpfen, die es jetzt braucht.
Du bist damit nicht allein
Wenn du dich in diesen Zeilen wiedererkennst – wenn du gerade mitten in dieser Phase steckst und dir manchmal wünschst, einfach mit anderen Mamas darüber reden zu können, die genau das Gleiche erleben: Dafür habe ich „Mama im Zentrum“ geschaffen.
Ein geschützter Raum, in dem du nicht perfekt sein musst. Wo deine Sorgen gehört und deine Stärke gefeiert wird. Wo du merkst: Ich bin nicht allein damit.
Wir treffen uns regelmässig online – die nächsten Termine sind der 30.9., 21.10. und 28.11., jeweils um 20:00 Uhr.
Wenn du mehr über die Autonomiephase, Wut und Führung sehen willst, findest du auf meinem Instagram regelmässig Impulse dazu – als kleine, alltagstaugliche Denkanstösse zwischen den Beratungen.





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